Curriculum
Einzelkurse  

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Curriculum - Psychosomatische Grundkompetenz

Der Umgang mit Patienten gestaltet sich immer dann als schwierig, wenn differentialdiagnostisch festgestellt werden muss, welche bzw. in welchem Ausmaß Beschwerden als somatisch verursacht erklärt werden können und wo die Grenzen zu einem psychosomatischen Leiden überschritten werden. Diese „schwierigen Patienten“ sind allgegenwärtig. Sie können bereits als solche in die Behandlung hineinkommen oder sich im Verlauf der Behandlung mehr oder weniger unerwartet zu solchen Patienten entwickeln. Erkennt man zu spät, dass eine psychische Ursache Einfluss nimmt, besteht die Gefahr, dass das Beschwerdebild sich chronifiziert, weil die Betroffenen durch zahlreiche erfolglose zahnärztliche Behandlungsversuche ausschließlich auf eine somatische Verursachung ihres Leidens fixiert wurden. In einer solchen Situation wird die Erwähnung einer psychischen Komponente am Krankheitsgeschehen vom Patienten als Kränkung erlebt. Mangelndes Einsehen macht eine entsprechend interdisziplinär ausgerichtete Therapie unmöglich und die Prognose auf Heilung wenig realistisch.

Will man die Chance auf Heilung wahren, so ist ein stringentes Diagnose- und Therapiekonzept dringend erforderlich. Die Führung dieser Patienten erfordert immer eine frühzeitige distanzierte und wertfreie, strukturierte Analyse aller in Frage kommenden Einflussfaktoren. Dieses setzt neben zahnmedizinisch-behandlerischen Fähigkeiten ebenso Kompetenzen in Gesprächsführung, Erhebung der psychosozialen Anamnese, Abwägung differentialdiagnostischer Möglichkeiten, Patientenführung, sowie die Kompetenz zur interdisziplinären Zusammenarbeit voraus. Da die Verdachtsdiagnose „Psychosomatische Störung“ erst berechtigt ist, wenn positive Hinweise auf ein solches Krankheitsgeschehen festgestellt werden, müssen typische Auffälligkeiten psychosozialer Krankheitsbilder auch dem Zahnarzt bekannt sein. Eine letzte Schwierigkeit ergibt sich dann in dem „richtigen“ Umgang mit dieser Erkenntnis.

 

Block 1 - Theorie

Inhalte

  • Integrierte Medizin, Konzepte der psychosomatischen Medizin
  • Einführung in die Verhaltenstherapie, in die tiefenpsychologische Psychosomatik, in die Psychiatrie und Neurologie
  • Salutogenesekonzept
  • Krankheitskonzept von Patient und Arzt
  • Operantes Konditionieren, Modelllernen
  • Coping
  • Reizkontrolle, Desensibilisierung, Compliance
  • Plazebowirkungen
  • Diagnosen nach ICD-10
  • Alternativmedizin (Überblick)
  • Möglichkeiten und Grenzen der Psychosomatischen Grundversorgung in der zahnärztlichen Praxis
  • Entspannungsverfahren; Muskelrelaxation nach Jacobson; Autogenes Training; Funktionelle Entspannung nach M. Fuchs

Lernziele

  • Psychosomatisches Paradigma
  • Bedeutung der Psychosomatischen Grundversorgung
  • Vorstellung und Selbsterfahrung von körperbezogenen Verfahren anhand ausgewählter Beispiele

 

Das ärztliche Gespräch

Inhalte

  • Kommunikation, Strukturen der Kommunikation, Arzt-Patient-Beziehung
  • Techniken einer professionelle Gesprächsführung, Strukturiertes Interview; Biographische/psycho-soziale Anamneseerhebung, Familienanamnese
  • Dokumentation; Rechtslage, juristische Absicherung
  • patientenzentriertes Gespräch; Aufklärung des Patienten; Übungen
  • Einführung in die Balint-Gruppen-Arbeit, Übungen
  • Krisenintervention; Umgang mit akuter, psychischer Dekompensation im zahnärztlichen Praxisalltag

 Lernziele

  • Strukturen der Kommunikation, Auswirkung auf die Zahnarzt-Patient-Beziehung
  • Gesprächsführung; Bedeutung und Arbeit in der Balint-Gruppe; Führen eines strukturierten Interviews; Erheben der biographischen Anamnese; Aufklärung des „psychisch“ Kranken

 

Block 2 - Spezielles psychosomatisches Grundwissen

Inhalte

  • Schmerz; Somatoforme Störung; Schmerztheorie; Schmerzformen, -wahrnehmung, -bewertung, -therapie; Ursachen des chronischen Schmerzes
  • Depression
  • CMD, Bruxismus, Habits; Tinnitus
  • Gerontostomatologie; Prothesenunverträglichkeit; Würgereiz
  • Burning-Mouth-Syndrome
  • Angst, Zahnbehandlungsphobie, Gesprächsführung und Umgang mit Angstpatienten
  • Essstörungen
  • Körperdysmorphe Störung; Abnormes Behandlungsbegehren;Übungen; Rollenspiel

 Lernziele

  • Diagnosekriterien/Leitsymptomatik, differentialdiagnostische Abgrenzungen, therapeutische Möglichkeiten, Patientenführung bezogen auf die einzelnen Krankheitsbilder
  • Auswirkung unterschiedlicher Krankheitskonzepte auf die Zahnarzt-Patient-Beziehung; Systemisches Denken
  • Überweisungskriterien und psychosomatische Erarbeitung der Überweisung; Akzeptanz und Compliance bei Überweisung
  • Rollenspiel (Sinn und Zweck)

 

Block 3 - Repetitorium

Inhalte
Zusammenfassung und Diskussion allgemeiner und spezieller Fragen der Psychosomatik

Lernziele
Zusammenfassung, Klärung offener Fragen; Allgemeine Diskussion

 

Abschlusskolloquium

Inhalte
Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ist die Einreichung von drei eigenen, dokumentierten Patientenfällen mit psychosomatischen Beschwerden. Diese sind Grundlage der Abschlussprüfung und des kollegialen Fachgespräches

Lernziele
Wissensprüfung, Colloquium als Übung, das Gesamtkonzept der Psychosomatik in der Zahn-, Mund und Kieferheilkunde anhand ausgewählter Fälle darzustellen

Nach bestandener Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat der APW. Die Teilnehmer erhalten eine Liste empfohlener Fortbildungsveranstaltungen, Tagungen wissenschaftlicher Gesellschaften, Periodika und Lehrbücher

 

Referenten

Prof. Dr. Rolf Adler
PD Dr. Dr. Monika Daubländer
Dr. Joachim Demmel
Prof. Dr. Renate Deinzer
Prof. Dr. Stephan Doering
Prof. Dr. Ulrich Egle
Dr. Klaus Hertrich
PD Dr. Burkard Jäger
Prof. Dr. Peter Jöhren
Prof. Dr. Friedhelm Lamprecht
Dr. Peter Macher
Dr. Jutta Margraf-Stiksrud
Dr. Inge Staehle
PD Dr. Anne Wolowski
 

Weiteren Referenten werden ggf. in Abstimmung mit den Fachgesellschaften Lehraufträge vom Direktorium der APW erteilt.

Kursgebühr: 2500,00 Euro